Die Falkenjagd in der Geschichte - Von der Kunst mit Vögeln zu Jagen

Seit der Frühgeschichte haben Greifvögel mehr als irgendeine andere Gruppe von Lebewesen unsere Vorstellungskraft beflügelt.

 

In der Gestalt von Göttern - die ägyptische Gottheit „Horus“ 3500 v. Chr. war eine Menschengestalt mit dem Kopf eines Wanderfalken und als Symbol für Schönheit, Kühnheit und Schnelligkeit. Zweifellos die engste Beziehung zwischen Mensch und Greifvogel stellt aber die Falknerei dar. Die Jagd auf Wild mit Hilfe von abgerichteten Greifvögeln auch Beizjagd genannt. Entstanden ist diese Jagdart vermutlich schon im zweitem Jahrtausend vor Christus in den weiten Steppenlandschaften Asiens. Dort dürfte der schnelle Greif das zweckmäßigste "Jagdgerät" bei der Beizjagd gewesen sein. In manchen Regionen der Türkei und Tunesien wird diese Art der Nutzjagd auch heute noch praktiziert.

 

Die Germanen lernten die Falknerei erst im fünften Jahrhundert kennen und lieben.

 

Ein Epigramm aus dieser Zeit mahnt einen dicken, nachlässigen Falkonier, lieber mit seinem fetten, trägen Fleisch die Falken zu füttern, als sie Not leiden zu lassen.

 

Falkendiebstahl wurde nach dem Geschmack der Zeit derart bestraft, dass sich der Delinquent von Falken sechs Unzen Fleisch aus dem Hinterteil hacken lassen musste. Selbst viele Frauen, zum Beispiel die englische Königin Elisabeth (16. Jahrhundert), frönten schon damals der Falknerei. Neben den Adeligen war der Klerus der Falknerei ebenso zugetan. In einem Brief beschwert sich eine Äbtissin, dass die Nonnen ihre Vögel in die Kapelle mitbrächten. Dennoch hat wohl kein Falkner mehr Ruhm erworben als der "Rätselmensch" (Friedrich Nietzsche) Friedrich II. von Hohenstaufen. Seine monumentale Handschrift „De arte venandi cum avibus" (lat.: Über die Kunst mit Vögeln zu jagen), gilt bis heute als eines der umfassendsten und bedeutsamsten Werke über Falknerei und Ornithologie.

 

Durch die Verbesserung im 18. Jahrhundert, die Erfindung des feinkörnigen Schrotes und die schier unbezahlbaren Kosten von Falkenhöfen ebbte das Interesse an der Falkenjagd ab. Einer der letzten großen Falkner war der Wittelsbacher Kurfürst Clemens August, Erzbischof von Köln. In seinem Jagdschloss Falkenlust bei Brühl zeugen allein über 6.000 handbemalte Fliesen von der Leidenschaft des Erzbischofs.

 

Erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts gelang es einigen führenden deutschen Ornithologen die Kunst mit Vögeln zu jagen, wieder zu beleben; sie gründeten den deutsche Falknerorden (DFO), heute ein anerkannter Naturschutzverband und älteste Falknerorganisation der Welt. 1943 gelang DFO-Falknern die weltweit erste Zucht eines Wanderfalken: ein Meilenstein in der Geschichte der Falknerei und des Artenschutzes: "Insbesondere den Falknern ist es zu verdanken, dass der Wanderfalke heute in Mitteleuropa nicht mehr vom Aussterben bedroht ist", lobte Landwirtschaftsminister Jochen Borchert kürzlich das Engagement der Falkner. Bislang wurden knapp 800 gezüchtete Wanderfalken ausgewildert.

 

Häufig wird Falknern auch die Pflege von verletzten Eulen und Greifen übertragen. Jährlich landen auch viele Greifvögel und Eulen aus allen Bundesländern in staatlich anerkannten Greifvogelauffangstationen. Aber auch die Beizjagd selbst, mit dem Habicht, Wanderfalken oder Steinadler, hat in unserer Kulturlandschaft längst ihre Nischen gefunden. Noch 1755 hatte der Marktgraf Wilhelm Friedrich von Ansbach-Bayreuth in 25 Jagdjahren über 34.000 Stück Wild gebeizt, darunter auch 4.174 Reiher. Heute sind mehr als 80% des gebeizten Wilds Rabenkrähen und Kaninchen. Diese verursachen nicht selten erhebliche Schäden beispielsweise in Raffinerien, Güterbahnhöfen, Gärtnereien und Pflanzungen; zumal sie dort kaum bejagt werden können, es sei denn mit dem abgerichteten Greifvogel und dann bleifrei, leise und im biologischem Sinne selektiv.

 

Auch in der Landwirtschaft, dort wo Rabenkrähen regelmäßig Siloplanen aufhacken, sind Falkner gerne gesehen. Auch wenn der Wanderfalke, respektive Habicht einen überhöhten Bestand an Rabenkrähen nicht wesentlich reduzieren kann, helfen sie jedoch, die Krähen dort zu vergrämen. "So wird es", prophezeit der Schriftsteller und Tierfilmer Horst Stern, "immer Menschen geben, die mit Leidenschaft der schwierigen Kunst anhängen werden, die denkbar ist, ein lebendiges Geschöpf an sich zu fesseln, indem man ihm immer wieder die Freiheit gibt".

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